Kreta 2004

von zwehni

kreta-karte Leider hatte ich es mir damals noch nicht angewöhnt, Urlaubserlebnisse niederzuschreiben. Deshalb versuche ich einmal anhand der Fotos und aus Erinnerungen einen kleinen Reisebericht zu verfassen. Zu einigen Tagen gibt es keine Fotos. Ich bin der Meinung, dass wir an all diesen Tagen mal „einen Ruhigen“ am hoteleigenen Strand verbracht haben.

Los ging es im August 2004 nach Kreta. Dafür hatten wir uns wohl den heißesten Monat ausgesucht.

Ganz Griechenland war immer noch im EM-Fußballfieber, obwohl sie nun schon einige Wochen zurücklag. Und ein Deutscher war daran nicht ganz unschuldig. Otto Rehagel oder besser gesagt: Rehakles, hatte ein Wunder vollbracht. Die griechische Elf, von ihm trainiert, wurde Europameister. Das war schon eine Sensation. Und so sah man auch an allen Ecken sein Konterfei und die entsprechenden Fahnen ausgehängt.

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Unser Hotel, dessen Name mir leider nicht mehr einfällt, lag in der Nähe von ??? und war leider auch das schlechteste, in dem wir je wohnten, wie man an der spärlichen Einrichtung sehen kann.

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IMG_1341 Ungewohnt ist vor allem die verbotene Entsorgung von benutztem Toilettenpapier über die Toilette. Man musste dies in den Papierkorb legen. Ekelhaft.
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So sah es an unserem Strand am Abend aus.
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Außerdem – und das war das Schlimmste – gab es keine Klimaanlage! An einigen Tagen legte ich mir ein Handtuch ins Bett, damit die Matratze nicht später noch als eines der wenigen Feuchtgebiete der Insel unter Naturschutz gestellt wird. Ich möchte mir jetzt gar nicht ausmalen wie viele Menschen darin schon ihre Salzkristalle eingepresst haben.

Chania-Städtetour, 9. August 2004

Wir besuchten heute einmal das Städtchen Chania. An der Landstraße vor unserem Hotel befand sich eine Bushaltestelle, von der aus man die meisten Städte auf der Insel bequem erreichen konnte.

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(Zeit-)Reise nach Heraklion, 10. August 2004

Mit dem Auto wollten wir uns heute einmal die Grabungsstätten in Kretas größter Stadt – sie ist gleichzeitig auch der Sitz der Verwaltungsregion Kreta – anschauen.

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Das Archäologische Museum war dabei unser erstes Ziel – bietet es doch einen weltweit einzigartigen Überblick über die minoische Kultur. 100_0163
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Nach der kleinen Reise in die Vergangenheit, wollten wir uns auch einmal mit der Gegenwart beschäftigen und unternahmen noch einen kleinen Stadtrundgang.

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Ausflug nach Rethimnio, 12. August 2004
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Fahrradtour zum Kournas-See, 14. August 2004

Heute hatten wir die glorreiche Idee uns bei 38 Grad Celsius Fahrräder auszuleihen, um den in den Bergen gelegenen Kournas-See zu erreichen. Die Fahrräder waren auf dem technisch aktuellesten Stand – versetzte man sich in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Öl für Ketten? Kennt man nicht. Rost an den Ketten? Ist da wohl Standard. Also quälten wir uns im Schritttempo und schweißgebadet die steilen Straßen hinauf. Um uns zu stärken, kehrten wir in eine kleine Gaststätte ein, wo draußen ein großer Grill mit leckeren Fleischprodukten belegt war. Ein paar dieser Stücke verleibten wir uns ein und konnten dann mit neuer Kraft weiterfahren.

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IMG_1099 Dieser Hersteller von Sattelaufliegern klagt seit Jahren über Absatzschwierigkeiten im deutschsprachigen Markt. Vielleicht sollte ihm jemand mal sagen, woran das liegen könnte.
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Blick auf den Kournas-See Kurze Verschnaufpause
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Am See angekommen, mieteten wir uns ein Tretboot und stachen in See. Unsere noch vom Radfahren pulsierende Beinmuskulatur produzierte mehrere PS, die auf die Wasserschaufeln ohne Umwege umgeleitet wurden. Ein Wasserskifahrer hätte mit unserem Boot seine wahre Freude gehabt. Wir verbrachten bestimmt über eine Stunde auf dem See, ohne jedoch die berüchtigten Seeschlangen, die das Gewässer beherbergt, gesehen zu haben.

Wanderung nach Georgioupoulis, 16. August 2004

Das Wetter war heute ausnahmsweise einmal nicht sehr schön. Es stürmte sehr und überall an den Stränden wehten die Flaggen, die jedem signalisierten, dass man sein Leben auf’s Spiel setzt, wenn man in das aufgewühlte Wasser geht.

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Also beschlossen wir, einen „kleinen“ Spaziergang (zumindest war es so gedacht) am Strand zu unternehmen. Wir zogen unsere Schuhe aus und liefen immer an den Wellenausläufern entlang in Richtung Georgioupoulis.

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Blick von Georgioupoulis auf unseren Ort.
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In dem Ort haben wir uns leider verlaufen. Eine alte Frau – sie sah aus wie eine Hexe aus einem Märchenbuch – winkte uns mit knorrigen Fingern heran. Sie versuchte uns mit ein paar Brocken Deutsch den Weg zu erklären: „Da vorn…klein, klein, klein, klein, klein, grooooß!“ Ah ja! Ich hoffe mal nicht, dass sie uns gerade erklären wollte, wie wir Pipi oder AA machen mussten!

Wir bedankten uns und folgten ihren Gesten, die sie bei der Erklärung machte – und verliefen uns noch mehr. Irgendwann kamen wir dann doch aus dem Kaff raus und mussten die mindestens zehn Kilometer wieder zurück zum Hotel laufen.

Fahrt zum Strand nach Elafonissos, 17. August 2004

Mit unserem Mietwagen wollten wir heute die traumhaften Strände im Südwesten der Insel bei Elafonissos ansteuern.

In den Bergen haben wir uns zunächst verfahren.

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In einem kleinen Bergdorf (ca. 2 Häuser) kehrten wir in ein kleines Restaurant ein. Ich aß dort den besten griechischen Bauernsalat meines Lebens. Seither hab ich wirklich nichts besseres an Salat degoustiert!

Es ging weiter und am späten Nachmittag erreichten wir den Ort am libyschen Meer gelegen. Der Strand ist fein und weiß.

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Wir legen unsere Decken aus, liefen ins Wasser und…bekamen fast einen Herzinfarkt! Da sollte man doch meinen, das Wasser wäre durch die starke Sonnenstrahlung schön aufgeheizt, doch scheint eine Strömung eiskaltes Wasser beizumischen. Es ist jedoch so klar, dass man selbst in fünf Meter Wassertiefe jedes Detail noch erkennen kann. Wunderschön. Lange halten wir es jedoch nicht aus und legen uns noch für eine Stunde in die Sonne. Länger können wir nicht mehr bleiben, wollen wir noch rechtzeitig zum Abendessen wieder zurück sein.

Auf der anderen Seite – Agios Nikolaos, 18. August 2004

Wir verschliefen oft unser Frühstück – was allerdings angesichts des schlimmen Essens nicht weiter schlimm war. So auch diesen Morgen. Wir kauften unser Frühstück – ein Toastbrot und ein wenig Aufschnitt und Joghurt zu horrenden Preisen im gegenüberliegenden Supermarkt ein und aßen auf dem Balkon.

Erst um zwölf Uhr fanden wir uns dann an der Bushaltestelle ein und wollten unsere Fahrt nach Agios Nikolaos antreten. Der Ticketverkäufer schaute uns mit großen Augen an als wir ein Hin- und auch ein Rückfahrticket kauften. Später wurde mir klar warum. Wir traten eine irrsinnig lange Fahrt an und waren erst am späten Nachmittag in der Stadt im Süden Kretas. Da blieb nicht mehr viel Zeit für eine Besichtigung.

Vollkommen hungrig setzen wir uns erst einmal in ein Restaurant am Hafen und aßen „zu Mittag“ (ca. 17 Uhr).

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Anschließend schauten wir uns die – meiner Meinung nach – schönste Stadt Kretas an.

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Aussicht von einer Anhöhe aus auf den Hafen.
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Wir mussten uns sputen und gingen zurück zur Bushaltestelle. Von dort fuhren wir zunächst mit einem der Busse nach Heraklion zurück. Ich weiß nicht, was für ein Motor in diesem Bus eingebaut war, aber solche Beschleunigungswerte würde ich mir so manches mal bei meinem Wagen wünschen. Der Fahrer musste vorher bestimmt einmal eine Ikone bei der Formel 1 gewesen sein, seinem Fahrstil nach zu urteilen. Bei einem atemberaubenden Tempo hielt er mit einer Hand das Lenkrad, in der anderen eine Zigarette und quatschte mit einem Kollegen. Auf einer tiefdunklen Landstraße, wir waren gerade mit 120 km/h unterwegs, betätigte er kurz das Fernlicht. In gar nicht mehr so weiter Ferne machte die Straße eine scharfe Kurve. Vor uns fuhr noch ein Wagen. Was macht der Irre? Setzt noch den Blinker und überholt das Fahrzeug. Ich, der hinter ihm sitzt, bekomme vor Schiss fast graue Haare. Es ging alles gut, aber zwischen Bus und Leitplanke (falls da eine war) passte kaum noch ein Blatt Papier.

In Heraklion steigen wir mit butterweichen Beinen aus. Es ist mittlerweile 22 Uhr, wir sind kaputt und hungrig und können nur noch hoffen, irgendwo noch zu Hause ein Restaurant zu finden.

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Ich – total genervt und müde auf einer Bank am Busbahnhof von Heraklion.

Gegen Mitternacht kommen wir zu Hause an und erhalten in einem Restaurant mit viel Betteln noch einen Teller Salat.

Cocktailabend mit neuen Bekanntschaften, 20. August 2004

Mit ein paar Leutchen, die wir im Hotel kennengelernt hatten, setzten wir uns Abends in eine Cocktailbar im Ort.

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Nach zwei Wochen ging ein schöner Urlaub zu Ende und wir bestiegen den Flieger zurück nach Deutschland.

Während des Fluges hatte ich mich gewundert wieso wir, obwohl schon 10.000 Meter hoch, mehrmals stiegen. Die Durchsage des Flugkapitäns sorgte für Klarheit: Er versuchte einem Unwetter über Kroatien zu umgehen und erklärte, dass es für ein paar Minuten etwas ungemütlicher werden könnte. Ich sah, dass die Servicekräfte bereits alle Trolleys verzurrten und hektisch den Gang herunterliefen und sich vor uns mit Acht-Punkt-Gurten anschnallten. Ich hab bisher immer nur ruhige Flüge erlebt und wusste auch nicht, was Turbulenzen sind. Nun erfuhren wir das am eigenen Leibe und ich muss sagen: Brauche ich nicht mehr! Aus den „paar Minuten“ wurde eine (gefühlte) halbe Stunde, in der uns Blitze umzuckten und alle Passagiere kräftig durchgeschüttelt wurden. Ich war echt heilfroh als wir in Düsseldorf ankamen.