Zeche Nachtigall 08.10.2006

von zwehni

 

Im Muttental in Witten liegt die Wiege des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. Als alten Ruhrpöttler, der sich schon viele Stätten der Industrialisierung angeschaut hat, bildete die Zeche Nachtigall bisher noch einen weißen Fleck auf meiner Erkundungslandkarte. Und so fuhr ich mit dem Auto an diesem schönen Oktobernachmittag nach Witten.

Im Muttental grub man – zunächst in Stollen, dann von senkrechten Schächten aus – früh nach dem "schwarzen Gold".

Sie war eine der ersten Zechen, in denen der Übergang zum Tiefbau erfolgte. Aber bereits 1892 wurde die Kohleförderung eingestellt.

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Ein Mercedes L 3500 von 1954 steht für den Kohlentransport von den Kleinzechen im Ruhrtal.  

Bis 1963 war hier eine Dampfziegelei mit Doppelringofenanlage errichtet, die vom Westfälischen Industriemuseum rekonstruiert wurde und die den Ziegler-Alltag bis in die 1960er Jahre zeigt. Hier wurden bis zu elf Millionen Ziegel jährlich hergestellt. Ausgangsmaterial für die Ziegel war Schieferton, der im Ruhrtal unterhalb der Kohleflöze lagert. Kohle bauten die Menschen in Witten erst in den Notzeiten der Weltkriege wieder ab, was eine originalgetreu aufgebaute Kleinzeche verdeutlicht.

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  Die Dampffördermaschine von 1887, zuletzt auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop im Einsatz, hat das Museum mit Hilfe eines Elektromotors wieder funktionstüchtig gemacht.
   
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Der Nachtigall-Stollen zeigt "unter Tage" typische Arbeitssituationen im Kleinbergbau. Der ausgeschilderte "Bergbaurundweg Muttental" führt in die Geschichte des frühen Bergbaus ein. Zu besichtigen ist u. a. das "Bethaus der Bergleute". In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Gruben- und Feldbahnmuseum auf der ehemaligen Zeche Theresia.

Unter dem Motto „Weg in die Tiefe“ – empfängt einen das Museum in Witten in seiner neuen Dauerausstellung, die ein wichtiges Stück Bergbaugeschichte zeigt. Hier kann man sich einmal, ausgerüstet mit Helm und Grubenlampe, richtig als “Freizeit-Kumpel”fühlen und den Besucherstollen erkunden.

Die Ausstellung ist rund um den freigelegten, 1839 entstandenen Schacht „Hercules“ angelegt, der einer der ersten Tiefbauschächte des Reviers war.

S-witten-dauerausstellung-1187346494_0 Am Beispiel des Schachtes „Hercules“ aus dem Jahr 1839 wird ein wichtiges Kapitel Bergbaugeschichte wieder mit Leben gefüllt: Der Übergang vom Stollen- zum Tiefbau markiert den Übergang vom ländlich geprägten Raum zum Industrierevier.
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Im Inneren des Ringofens stehen Ziegel und Rohlinge gestapelt, Staub und Asche bedecken den Boden des Arbeitsplatzes. Beleuchtete Bilder und Zitate aus der Arbeitswelt der Ziegler unterstützen die Raumwirkung des Denkmals. An der Rampe der Ruhrtalbahn wurden früher Ziegel und Sandstein verladen. In einem Bahnwaggon zeigt das Museum, wie dringend die Steine während der rasanten industriellen Entwicklung um 1900 im Ruhrgebiet gebraucht wurden. Die Ausstellung im östlichen Ringofen folgt dem Weg des Rohstoffs.
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  Blick in die Brennkammer des Doppel-Ringofens.
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Von der Gewinnung des Materials im Steinbruch über seine Verarbeitung bis zum Brennen im Ringofen und dem Verladen der Ziegel lernen die Besucher den Ziegler-Alltag bis in die 1960er Jahre kennen.

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Dabei werden viele Fragen beantwortet: Wie bekamen die Bergleute Licht und Luft, wie wurde das Wasser aus der Grube gepumpt, welche Rolle spielte das „Licht in der Nacht“, dem ein eigener Bereich gewidmet ist – die Grubenlampe war für die Männer unter Tage die einzige Beleuchtung. Eine digitale Rekonstruktion des Schachthauses veranschaulicht, wie Kohleförderung und Wasserhaltung funktionierten.

Auf den Spuren der Bergarbeiter

Es ging durch eine Tür und plötzlich standen wir im Finsteren. Es war ein wenig unheimlich, die „Dunkelzone“ war aber zum Glück nur eine Durchgangsstation. Hier bekam man einen kleinen Eindruck, wie sich die Bergleute bei ihrem „Weg in die Tiefe“ auf dem Weg zur Schicht in den Berg gefühlt haben mussten.

Auch der 150 Meter lange, feuchte und kühle Besucherstollen lässt dies nachspüren. Zu sehen ist dort sogar ein echter Kohlenflöz.

Mit dem Einzug der ersten Eisenbahnen ins Ruhrtal bekam die Kohlenschifffahrt Konkurrenz. Als die Zeche Nachtigall 1849 die Verbindung zum Schienennetz herstellte, hatte der Fluss als Absatzweg seine Bedeutung verloren.

Im Mittelpunkt einer neu gestalteten Ausstellungslandschaft steht der rekonstruierte Ruhrnachen "Ludwig Henz". Das imposante Ruhrschiff mit einer Länge von 34 Metern und einem Gesamtgewicht von 18 Tonnen entspricht den Vorbildern, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zum Kohlentransport eingesetzt wurden. Zwei Jahre lang haben 24 Jugendliche im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme auf der Bootswerft Hesse in Mülheim an dem Schiff gebaut.

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Die Förderung und Verarbeitung des „schwarzen Goldes“ rundet das nachgebaute Kohlenschiff ab, das in einem kleinen Hafenbecken liegt. Kinder können zum Beispiel den Flusslauf der Ruhr spielerisch mit Schleusen und Sperren verändern.

 

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Quellen: