Phoenix-West Dortmund

von zwehni

 

Ich graste schon seit einigen Jahren die wichtigsten Punkte der Route der Industriekultur ab und war immer noch hungrig auf neue Entdeckungen. Freunde empfahlen mir einen Besuch der Fläche “Phoenix-West” in Dortmund, bereiteten mich aber schon schonend darauf vor, nicht mehr viel der ehemaligen Industrieanlagen vorfinden zu werden.

Am Sonntag, den 5. März 2006, setzte ich mich nachmittags ins Auto und konnte die Warnungen bestätigen. Viel war tatsächlich nicht mehr zu sehen.

Hier in Dortmund-Hörde wurde 1841 der Grundstein der Stahlära mit der Errichtung eines Puddel- und Walzwerkes auf dem Gebiet der Hörder Burg in Dortmund-Hörde gelegt. Auf diesem Gebiet gab es ausreichend Steinkohlevorkommen, die zur Verarbeitung des Erzes benötig wurden.

Es dauerte keine zehn Jahre bis sich der "Hörder Bergwerks- und Hüttenverein" gründete, nachdem 1843 die "Hermannshütte" auf dem Areal von Phoenix-Ost ihre Produktion aufnahm. Nicht weit von der Hermannshütte entfernt wurde ein eigenes Hochofenwerk (Phoenix-West) errichtet.

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Nach der Fusion von Krupp und Thyssen 1997 entschied man sich gegen den Stahlstandort Dortmund und konzentrierte sich auf den rheinnahen Standort Duisburg.

Phoenix West beendete seine Produktion 1998. Die Hochöfen wurden stillgelegt und teilweise zum neuen Stahlstandort Shagang in China transportiert – ein Schicksal, das teilweise auch die Henrichshütte in Hattingen und die Westfalenhütte in Dortmund mit dem Phoenix teilen.

2001 fand dann auch die letzte Roheisenschmelze auf Phoenix Ost statt, auf dessen Gebiet in naher Zukunft ein künstlicher See und attraktive Wohnmöglichkeiten angelegt werden sollen.

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Phoenix West präsentierte sich im Jahr 2006 als Hochtechnologiestandort. Weite Teile der Hütte sind abgeräumt. Bei meinem Rundgang über das Gelände fanden sich nur noch wenige Zeugnisse der ehemaligen Industriekulisse, die ich auch einmal im Bild festgehalten habe.

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Empfehlen möchte ich an dieser Stelle auch einige Fotos meines Bekannten, Peter Lippsmeier, der als professioneller Fotograf mit der Dokumentation des Abbruchs beauftragt war. Fotos von ihm finden sich mit einem Klick auf diesen Link: http://www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de/serie.php?serien_id=25213&id_language=1

Hochöfen und unmittelbare Umgebung sehen einer symbolträchtigen Nachnutzung entgegen. Der Strukturwandel ist in vollem Gange und setzt auf kleine aber ausbaufähige Keimzellen. Es wird sich zeigen, ob so auch wieder Jobs für “einfache Leute” geschaffen werden können.

Mittlerweile ist der Wandel offensichtlich. Hier werden – gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen, durch Förderprogramme der EU sowie durch das dortmund-project – Entwicklungsflächen so groß wie 300 Fußballfelder für moderne Lebens- und Arbeitsformen (Mikro- und Nanotechnologie, Software-Schmieden, Wohnen und Freizeit im Grünen) geschaffen.

Die infrastrukturelle Anbindung sucht seinesgleichen. Das Phoenix-Gelände ist über Autobahnen und den Dortmunder Flughafen bequem zu erreichen.

Quellen: