Erdbeben auf Haiti

von zwehni

Es war mit Stärke 7.0 das schwerste Erdbeben in der Karibik und es traf ein Land, das seit jeher schon arg gebeutelt war. Sei es durch Hungersnöte oder durch den ständig schwelenden Konflikt zwischen Schwarzen und Mulatten.

Das Beben

In einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince befand sich das Epizentrum des Bebens. Dieser Ortsteil ist die am dicht besiedelteste Region des Karibikstaates. Das Erdbeben wütete ungewöhnlich lang – über eine Minute lang erzitterte die Erde und ließ die eher behelfsmäßig errichteten Gebäude binnen Sekunden in sich zusammenstürzen.

Peacekeeping - MINUSTAH

Peacekeeping - MINUSTAH

Nach kurzer Zeit rollte eine dichte Wolke aus Staub und Qualm über die Stadt und verdunkelte alles.

Ersten Berichten zufolge ging man von 150 000 Toten aus. Jetzt, nach über einer Woche, wurde die Zahl mehrmals nach oben korrigiert. Mittlerweile geht man von 200 000 Toten aus. Die Zahl der Waisenkinder – schon vor dem Beben waren es rund 150 000 Kinder – wird noch einmal um ein Vielfaches ansteigen.

Das Ausmaß der Zerstörung

Anteilnahme und Hilfsbereitschaft wurde auf der ganzen Welt gezeigt. Doch war es anfangs nahezu unmöglich Hilfe leisten zu können. Das Erdbeben hatte fast die gesamte Infrastruktur des Inselstaates zerstört. Wege, Straßen, Brücken sind seitdem fast unpassierbar. Auch der Flughafen und der Hafen konnten anfangs kaum mehr genutzt werden.

Peacekeeping - MINUSTAH

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Die USA hatten umgehend 4200 Soldaten in die verwüstete Region entsandt, um u. a. die Funktionstüchtigkeit des Flughafens wieder herzustellen. Mittlerweile – so wurde bekannt – ist es ihnen gelungenen auch noch einen weiteren Flughafen wieder zu aktivieren. Erst seitdem war es möglich Flugzeuge mit wichtigen Hilfsgütern wie Wasser, Nahrung und Medikamente landen zu lassen. Weitere 6300 Angehörige des Militärs wurden einige Tage später nachentsandt.

Medizinische Versorgung auf Haiti

Auch die medizinische Versorgungslage war verheerend. Selbst gestandene Notfallärzte erklärten fassungslos, dass sie solch ein Ausmaß an Zerstörung noch nie gesehen hätten.

Die Verletzungen sind teilweise teilweise so schlimm, dass eine sofortige Amputation der betroffenen Gliedmaßen erforderlich war. Doch fehlte es anfangs an Betäubungsmittel, so dass eine Operation ohne Narkose erfolgen musste – meist unter hygienisch katastrophalen Bedingungen, beispielsweise auf offener Straße.

Am Mittwoch, dem 20. Januar 2010 erreichte ein Lazarettschiff der US-Marine die Küste von Haiti. Die medizinische Besatzung begann sofort mit der Behandlung von Erdbebenopfern. Ein kleiner Junge, dessen Haut zu 30 Prozent Verbrennungen aufwies und ein 20-jähriger mit gebrochener Wirbelsäule und blutenden Wunden am Kopf, waren die erste Patienten. Das schwimmende Krankenhaus, mit Platz für 1000 Patienten und sechs Operationssälen war zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht einsatzbereit.

Peacekeeping - MINUSTAH
UN Photo/Logan Abassi, http://www.flickr.com/photos/unitednationsdevelopmentprogramme/4275397038/
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Survivor of Haitian Quake Receives Medical Treatment
UN Photo/Logan Abassi,
http://www.flickr.com/photos/un_photo/4273774349/sizes/o/

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht angesichts tausender, unbestatteter Leichen, die in den Trümmern und am Straßenrand liegen von bald ausbrechenden Seuchen aus.

Haiti-Hilfe

Das physische Erdbeben löste jedoch auch eine Welle einer internationalen Hilfsbereitschaft aus. Unter anderem aus Deutschland. So landeten Helfer mit Hilfsgütern auf dem wieder aktivierten Flughafen von Port-au-Prince. Doch die Behörden waren mit der Abfertigung der vielen Maschinen hoffnungslos überfordert. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickte bereits am 16.01.2010 eine mobile Klinik nach Haiti. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes konnte damit die Versorgung von 30 000 Menschen sichergestellt werden.

UN Peacekeepers Distribute Food and Water in Cité Soleil, Haiti
UN Photo/Sophia Paris,
http://www.flickr.com/photos/un_photo/4295061491/in/pool-haitiearthquake

Die Verteilung von Hilfsgütern gestaltete sich außerordentlich schwierig. Nahrungsmittel mussten ohne massiven Schutz durch Polizei und Soldaten an die Bevölkerung verteilt werden. Die örtliche Polizei erschien erst gar nicht und die sechs UN-Blauhelmsoldaten, die für einen geordneten Ablauf sorgen sollten, waren hoffnungslos überfordert. Die Verteilung musste aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.

Mittlerweile spitzte sich die Lage immer mehr zu. In einzelnen Vierteln von Port-au-Prince wurden immer wieder Gewalttaten verübt, welche die Verteilung von Hilfsgütern immer mehr behinderten. Die Bewohner organisierten sich zu Milizen, um ihr Hab und Gut selber zu schützen. Straßen wurden mit Autos blockiert und junge Männer patrouillierten in den Straßen.

Umsiedlung auf Haiti

Nach dem Beben hatten hunderttausende Menschen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince kein Dach mehr über dem Kopf. Die Regierung entschloss sich dazu, sie nun umzusiedeln

Aufgrund der schlimmen sanitären Situation in den hunderten Zeltlagern in der Hauptstadt, sollten die rund 400.000 Obdachlose in temporären Behausungen außerhalb von Port-au-Prince eine neue Behausung finden.

Die Erdbebenopfer wurden mit Bussen in den Norden und Süden von Haiti gebracht, wo Unterkünfte für jeweils 10 000 Menschen gebaut wurden. Mindestens eine halbe Million Menschen, schätzte die Internationale Organisation für Migration, sind bei dem Beben obdachlos geworden.

Die Regierung reagierte damit auf die Vorwürfe, sie hätte auf das schwere Erdbeben nicht umgehend angemessen reagiert.

Suche eingestellt

Bislang wurden mehr als 110 000 Tote und mehr als 193 000 Verletzte gezählt, so das Innenministerium von Port-au-Prince. Die Regierung von Haiti erklärte die Suche nach Überlebenden für beendet. Deutsche Helfer machten sich danach auf den Rückweg in die Heimat. Das UN-Büro für die Nothilfekoordination (OCHA) teilte mit, dass nun die Versorgung der Überlebenden Priorität hätte.

In rund 500 Feldlagern lebten nach dem verheerenden Erdbeben ungefähr 600 000 Menschen, die nach der Zerstörung ihrer Wohnungen und Häuser eine vorübergehende Unterkunft fanden. Nach Auskunft der Vereinten Nationen konnten nur 132 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen werden.

Am Samstag, den 23.01.2010 kehrten 31 deutsche Katastrophen-Helfer von ihrem Rettungseinsatz im Erdbebengebiet zurück. Eine Woche lang hatten die Rettungsspezialisten verschiedener Feuerwehren und Hilfsorganisationen mit Hunden und Sonden nach Verschütteten gesucht, konnten aber keine Überlebende mehr orten.

Unter dem Schutz von bewaffneten UN-Soldaten behandelten die Helfer neben der vergeblichen Suche in den Trümmern etwa 700 Verletzte. Viele Amputationen mussten vorgenommen werden, um Leben zu retten.  Doch wurde nicht nur Leben vernichtet – auch neues entstand: Im Feldlazarett kamen auch zwei gesunde Babys zur Welt.

Eine fast beispiellose Odyssee der Notleidenden fand statt. So flohen hunderttausende Haitianer mit ihren Familien in Bussen, auf Fähren oder sogar zu Fuß aufs Land oder in weit entfernte Küstenstädte. Notunterkünfte für 400.000 Menschen wurden vor Port-au-Prince angelegt, die für einen Großteil der Menschen zur dauerhaften Endstationen wurden.

Der Hafen von Port-au-Prince wurde teilweise wieder geöffnet. Ein Teil der Anleger wurde in Betrieb genommen, wobei der Hafen ausschließlich für die Versorgung Haitis mit humanitärer Hilfe genutzt wurde. Im Meer lagen rund zehn Schiffe mit Hilfsgütern im Meer vor Anker. Die Versorgung Haitis mit Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten konnte durch die Wiederaufnahme des Hafenbetriebs verbessert werden. In den vergangenen Tagen hatte sich der Flughafen von Port-au-Prince bei der Versorgung als Nadelöhr erwiesen.

Vor Adoptionen haitianischer Kinder warnte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Adoptionen stellten in aller Regel keine Hilfe für die Kinder dar. Sie sollten trotz allen Leids in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Unterdessen warben zahlreiche internationale Topstars bei einer riesigen, weltweit übertragenen TV-Benefizgala um Spenden für die Opfer der Erdbebenkatastrophe. Die zweistündige Gala stand unter dem Motto „Hope for Haiti Now“.

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